
Schon lange hatte ich die Idee vom Pilgern im Kopf und ich wollte das eigentlich zu meinem 50. Geburtstag machen.
Doch dann stand mein 40.-ster Geburtstag vor der Tür und das war dann auch schon Grund genug, mir diesen Wunsch zu erfüllen. Dank der Unterstützung meiner Familie, bin ich im Mai 2024 diesen 250 Km langen Weg von Porto bis nach Santiago de Compostela gelaufen.
Es gibt viele Wege, die nach Santiago de Compostela führen. Ich habe mich für diesen Weg entschieden, da er in Portugal fast ausschließlich an der Küste verläuft und somit wirklich wunderschöne Aussichten bereithält. Ab der Stadt ‚Tui‘ hab ich mich in Spanien für die Inlandsroute durch das Festland entschieden. Da ging es doch etwas hügeliger zu und es waren auch mehr Pilger unterwegs. In Portugal war ich teilweise stundenlang unterwegs, ohne eine Menschenseele anzutreffen… nur das Meer, der Weg und ich.
Geflogen bin ich von München nach Porto mit einem preiswerten Lufthansa-Flug (hatte ca. 8 Monate im Voraus gebucht). Die Flugzeit beträgt ca. 3 Stunden. Am Flughafen in Porto kommt man bequem mit der Metro in die City. Ich hatte mir das Hostel ‚The Central House‘‚ für 2 Übernachtungen (ca. 70 Euro, im 6-Bett Zimmer) gebucht, um erstmal anzukommen und die Lage zu Erkunden. Das Hostel war sehr sauber und hat sogar eine Bar im Keller, super geeignet um erste Bekanntschaften zu machen. Es liegt direkt zentral an dem Fluss Douro, eine wirklich schöne und belebte Gegend, in der man Abends schön spazieren kann.
Auch während einer Pilgerreise lohnt es sich, ein paar Tage für Sightseeing in Porto einzuplanen.
Meine Tipps, für Porto:
- -Promenade am Douro (mit vielen kleinen Geschäften und Bars)
- -Kathedrale von Porto ( dort gibt es auch den ersten Pilgerstempel)
- -Portweinkeller in Via Nova de Gaia
- -Buchhandlung Livraria Lello ( Ticket im Voraus online buchen, unter https://www.livrarialello.pt/ )
- -Probieren eines ‚Pasteis de Nata‘

- Ein kleines Extra-Highlight:
- Da ich nach einem Souvenir gesucht habe, dass nicht all zu schwer ist (mein Wanderrucksack hatte ja schon 10 kg Gewicht), habe ich einen ‚Porto Fliesen-Malkurs‘ gebucht. Die Fliese ist wirklich toll geworden und man hat währenddessen auch neue Leute kennengelernt. Man muss aber Bedenken, dass die Fliese noch gebrannt wird und somit erst am nächsten Tag abgeholt werden kann. Wenn ihr mein portugiesisches Souvenir sehen möchtet, schaut gerne auf bei Instagram vorbei: https://www.instagram.com/travelfeetfamily/ und hinterlasst mir gerne ein Kommentar, wie sie euch gefällt.
Nun aber zum Pilgern..
Ich bin mit der Metro (blaue Linie) bis zum Stopp ‚Senhor de Matosinhos‘ gefahren und habe dort meinen Weg begonnen. Dann musste ich feststellen, dass die Metro-Station ‚Mercado‚ doch besser gewesen wäre, weil ich an dieser vorbeigelaufen bin. Von dort kommt man direkt zum Strand und dann heißt es nur noch gerade aus und den gelben Pfeilen hinterher. Ich war im Mai unterwegs und musste feststellen, dass alle Bars an den Stränden, inklusive den Toiletten noch geschlossen waren. Doch es gibt in größeren Abständen vereinzelte Bars und Cafés, die direkt am Camino liegen, in denen man sich erfrischen und erleichtern kann.
Auch das Wetter war für Mai sehr durchwachsen. An manchen Tagen bin ich 8 Stunden durch den Regen gelaufen. Mein Regencape war von außen genauso nass wie von innen, da eine ziemlich hohe Luftfeuchtigkeit (durch das Meer) herrschte. Somit waren das Wetter und mein viel zu schwerer Rucksack am Anfang meine größte Herausforderung.

hat auf viele Situationen gepasst 🙂
Hier einige Tipps zum Thema Gepäck:
-Gut überlegen, was man wirklich braucht, der Rucksack sollte nicht mehr als 10% des eigenen Körpergewichts haben
-eine Reise-Wäscheleine und eine kleine Packung ‚Rei aus der Tube‘, dadurch kann man unterwegs waschen und braucht nicht so viel einpacken
-Tuben wie Zahnpasta, Duschzeug, etc. nur ‚halb voll‘ mitnehmen oder auf kleine Flaschen umfüllen
-Statt Kontaktlinsenpflegemittel für die Zeit auf Tageslinsen wechseln oder Brille tragen
-eigenes Handtuch und 2 große Wäscheklammern (um das Handtuch unterwegs an den Rucksack zu klemmen oder für Sichtschutz im Hostel)
-Thema Wanderstöcke: Brauchte ich nicht, da es unterwegs im Wald viele große Stöcke gab. Das hat wunderbar funktioniert.
-für Hostels hatte ich ein aufblasbares Reisekissen und einen ultra-dünnen Baumwollschlafsack dabei. In den bin ich reingeschlüpft und hab dann die Decke vom Hostel drübergelegt. Das war sehr praktisch und ich persönlich habe keine Bekanntschaften mit irgendwelchen ‚Tierchen‘ gemacht.
Was ich nicht brauchte (aber dabei hatte):
-kl. Taschenmesser
-Pfefferspray
-mehr als 2 Garnituren Sportbekleidung
-Kopflampe
Für die Navigation benötigt man keine Karte oder Reiseführer, die App ‚Camino Ninja‘ war ein großer Helfer. Navigation mit google.maps kann ich nicht empfehlen, da die immer versucht, einen zur Straße zu lotsen und man sich dadurch verlaufen kann (..auch eigene Erfahrung..).

Ansonsten habe ich meine Unterkünfte spontan ausgewählt, da ich nicht sagen konnte, wie lange meine Füße pro Tag so mitmachen würden. Aber Dank booking.com war das kein Problem. Ein besonderes Hostel, welches mir persönlich am besten Gefallen hat, war das ‚Albergue Albor‚ in Caldas de Reis/ Spanien. Dort habe ich auch den schönsten Stempel für meinen Pilgerpass bekommen.

Den Pilgerpass könnt ihr euch übrigens noch vor eurer Reise in Deutschland bestellen, unter: https://shop.jakobsweg.de/products/offizieller-pilgerpass?srsltid=AfmBOooo-pg2k8Xx0J-s4WOeyIK2M_YK_B-RXYJ76KoIrdeqD7b_CpFd
Der Camino ist wirklich eine tolle Erfahrung. Man lernt definitiv seine Grenzen kennen, aber dadurch wächst man und wird stärker für belanglose Sachen die einem im Alltag begegnen. Man hat sehr viel Zeit für sich, zum Nachdenken und kann dabei die wunderschöne Natur und Landschaft genießen. Angefangen mit dem Meer und der Küste in Portugal, dann auf dem Festland in Spanien, durch Wälder und über Hügel und kleine Bäche. Manche Wege führten auch an der Straße entlang oder durch Industriegebiete. Ob alleine, zu zweit oder als Gruppe, man kann sich mit anderen Pilgern aus aller Welt austauschen. Es können sich Freundschaften daraus entwickeln, man kann tiefgründige Gespräche führen oder nach einem kleinen Smalltalk wieder seinen eigenen Weg gehen.
Santiago de Compostela
Die Ankunft in Santiago ist dann überwältigend. Dort kommen alle Pilger von allen Jakobswegen zusammen! Hier wird gefeiert, gebrüllt und getanzt! Und Tränen fließen… Tränen der Freude, des Stolzes oder auch vor Erleichterung, es endlich geschafft zu haben. Es ist spannend, sich dort einfach für eine Weile vor der Kathedrale niederzulassen und dem Treiben zuzuschauen.
Die Messe mit dem schwingenden Weihrauchkessel (Botafumeiro) war leider nicht möglich, da dieser restauriert wird. Aber auch ohne den Botafumeiro ist die Kathedrale einfach wunderschön und verbreitet eine spirituelle Stimmung. Der Eingang zur Kathedrale ist nicht, wie oft angenommen vorne mittig, sondern hinten rechts auf der Rückseite. Der Eintritt und die Messen sind kostenlos.
Der nächste Weg ist dann der Gang zum Pilgerbüro, um seine Pilgerurkunde abzuholen. Dort zeigt man seinen Pilgerausweis vor, der bescheinigt, dass man mindestens die letzten 100 km zu Fuß gelaufen ist. Auch gibt es dort einen tollen Souvenirshop, falls man doch noch ein Mitbringsel benötigt.

Die aller-, aller-, allerletzte Etappe..
Wer einfach nicht genug vom Pilgern kriegen kann oder noch Energie übrig hat, kann sich noch auf den ca. 90 Km entfernten Weg zum Kap Finisterre machen. Eine Möglichkeit ist zu Fuß, wobei man beachten sollte, dass der Weg dorthin ziemlich bergauf gehen kann. Aber es werden auch Touren auf 4 Rädern in Santiago de Compostela angeboten. Kap Finisterre, auch ‚das Ende der Welt‘ genannt, ist eine kleine Halbinsel aus Granitgestein. Der Blick von dort oben auf die Weite des Meeres ist atemberaubend und tatsächlich könnte man meinen, dort am Ende der Welt angekommen zu sein.
Ebenfalls findet man hier den Camino-Kilometerstein mit 0 Km. Nun ist es geschafft 🙂

Fazit: Ob ich den Camino nochmal gehen würde? Definitiv!
Falls ihr mehr von meiner Reise sehen möchtet oder Fragen habt, schaut einfach bei Instagram vorbei: https://www.instagram.com/travelfeetfamily/