
Oder besser gesagt – Bengaluru–
Denn so wurde die Stadt Bangalore offiziell im Jahre 2006 umbenannt.
Hier bin ich nun, im ‚Silicon Valley‘ von Indien, einer riesen Stadt mit etwa 14 Millionen Menschen.
Mein erster Eindruck: freundliche Menschen, tolle luxuriöse Gebäude mitten in einfachen und zerfallenen Wohngegenden, viiiiel Verkehr und Lärm, viele Menschen, vielseitige Restaurants und leckeres Essen.
Aber nun eins nach dem anderen..
Flug und Ankunft:
Preiswerte Direktflüge gibt es von Frankfurt (FRA) nach Bengaluru (BLR). Wir sind mit Lufthansa geflogen und die Flugzeit beträgt 9 Stunden.
Im Flieger werden Einreisezettel für ’nicht Inder‘ verteilt, die bei der Immigration mit abgegeben werden müssen. Nach der Passkontrolle, Fingerabdruck und Foto geht es dann zur Gepäckausgabe. Der Flughafen sieht sehr neu und modern aus; mit vielen Palmen und toll dekorierten Lichtern. Direkt beim Ausgang findet man viele internationale Shops und Ketten wie Starbucks oder Krispy Kreme Donuts.
Zeitverschiebung und Währung:
Der Zeitunterschied von Deutschland zu Bengaluru sind 3,5 Std. Das bedeutet, wenn es hier 15 Uhr ist, ist es in Bengaluru bereits 18.30 Uhr.
Die Währung sind indische Rupien. Wenn man pie mal Daumen rechnet, kann man sagen, 100 Rupien entsprechen 1 EUR. Dementsprechend hat man viele Scheinchen im Portemonnaie. Aber man kann auch fast überall mit Kreditkarte bezahlen (auch kleine Beträge).
Sprache
Neben Kannada, Tamil und Hindi, sprechen die meisten Inder auch Englisch. Allerdings manchmal nicht einfach zu verstehen, man muss sich etwas konzentrieren oder öfters mal nachfragen 🙂
Unterkunft
Unser Hotel war das Vivanta in der Resideny Road, ca. 32 Km vom internationalen Flughafen entfernt. Die Lage ist wirklich empfehlenswert, da man zu Fuß in die belebte Church Street gelangt, wie auch zur großen Hauptstraße, der MG Road. Auch ein Supermarkt mit internationalen Lebensmitteln und Süßigkeiten, sowie ein Starbucks sind in fußläufiger Nähe.
Schaut es euch einfach mal an: https://www.vivantahotels.com/en-in/hotels/vivanta-bengaluru-residency-road
Dieses Viertel scheint zu den ‚besseren‘ zu gehören, da sich auch sehr viele Schulen und Unis in der Nähe befinden. Auch Bettler sind hier kaum unterwegs.
Verkehr:
Da mein Mann und ich mitten in der Nacht angekommen sind, waren nicht viele Autos, Mopeds oder Auto-Rikschas auf den Straßen. Es herrscht Linksverkehr. Wir hatten einen Fahrer, der uns vom Flughafen abgeholt hat und der, .. sagen wir mal ‚sehr interessant‘ gefahren ist. Mehr als einmal habe ich gedacht, dass es jeden Moment knallen würde. Allgemein blinken die Fahrer nicht beim Überholen, sondern geben per Hupe Bescheid, dass sie nun kommen und der andere Platz machen, bzw. aufpassen soll. Das erklärt also auch das laute und ständige Gehupe den ganzen Tag über. Das dieses Prinzip so gut funktioniert in einer so großen Stadt, ist echt erstaunlich.
Aus meiner Sicht macht es nicht viel Sinn, sich ein teures Auto zu kaufen. Premium-Marken, wie zum Beispiel Porsche, sind hier aber auch vertreten.
Als Fußgänger die Straße zu überqueren ist schon eine echte Herausforderung. Man fühlt sich wie in dem Spiel ‚Crossy Road‘, in dem das Hühnchen versucht lebendig über die Straße zu kommen. Aber mit einem 360 Grad Blick und etwas Geduld kann man auch das gut meistern.
Ein größeres Problem ist hier tatsächlich der Zeitaufwand für den Verkehr. Selbst für kleine Strecken wie 14 km benötigt man in der Rush Hour (7.30–11.00 Uhr und 16.30–20.30 Uhr) bis zu 2 Stunden!!
Hauptfortbewegungsmittel ist hier das Auto, dann die Auto-Rikschas, sowie Mopeds und Roller. Fahrräder sieht man eher selten.
Seit 2015 gibt es auch eine Metro mit bisher überschaubaren Verbindungen. Diese sollen in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden. Wenn man sie nicht während der Rush Hour benutzt, ist die Metro eine preiswerte und zeitsparende Alternative.


Vegetation und Klima:
Viele große beeindruckende Palmen sieht man schon direkt am Flughafen. Und auch in der Stadt sind sie immer wieder zu sehen. Hier herrscht tropisches Savannenklima, welches aber aufgrund der Höhenlage gut auszuhalten ist. Die Pflanzen und riesigen Bäume mit ihren Wurzeln, die hier bei den gemäßigten Temperaturen wachsen, sind spektakulär! Dazu der außergewöhnliche Klang exotischer Vögel.. Urlaubsfeeling pur!
Trotz dem Stadtlärm und dem ganzen Trubel, hat man immer wieder das Gefühl, sich im Dschungel zu befinden.
Bengaluru wird auch ‚Gartenstadt Indiensˋ bezeichnet, weil sie zahlreiche Parks und Grünflächen besitzt. Die bekanntesten sind Lal Bagh und der Cubbon Park.


Wetter:
In Bengaluru gibt es Monsunmonate. Diese sind von Juni bis September. Während unserem Besuch haben wir nur einen Regenschauer mitbekommen, der war tatsächlich ziemlich stark und hat die Straßen geflutet. Aber nach 2 Stunden war alles vorbei und der Regen schnell versickert. Die heißen Sommermonate sind von März bis Mai, deshalb eignen sich die kühleren Monate (ca. 28 Grad) von Oktober bis Februar am besten für eine Reise.
Essen:
Ich muss zugeben, vor dieser Reise war ich kein Fan von indischem Essen. Aber direkt beim ersten Frühstück im Hotel mit vielen indischen Gerichten, hab ich mich eines besseren Belehren lassen. Ich bin schon fast ein Fan 🙂
Besonders Dosa (ähnlich wie Pfannkuchen, nur außen knusprig und innen fluffig, können auch gefüllt sein) und dazu ein paar Dips (Kokos Dip, Tomaten Chutney, Koriander Chutney) haben es mir angetan!

Da Kühe in Indien heilig sind, wird kein Rind gegessen, sondern hauptsächlich Ziegen–, Lamm– und Geflügelfleisch. Es gibt auch eine große Auswahl an vegetarischen Gerichten, sowie vegetarischen Restaurants. Überhaupt sind hier neben dem indischen sämtliche internationale Restaurants vertreten – neu, stylisch und modern.
So sind wir in einem Burmesischen Restaurant gelandet, in dem weder Fleisch noch Alkohol serviert wurde. Stattdessen gab es eine kreative Speisekarte mit vegetarischen Gerichten, unter anderem auch mit ‚Mock–Fleisch‘. Das ist ein Fleischersatz aus Zutaten wie Soja, Erbsen, Pilzen und anderen pflanzlichen Rohstoffen. Dieses war sehr gut gewürzt und auch von der Konsistenz her war kein Unterschied zu echtem Fleisch festzustellen. Das war echt ein Erlebnis!

Leute & Reisen als Frau
Die Leute in Bengaluru sind sehr freundlich. Hin- und wieder versuchen sie etwas zu verkaufen und in ihren Laden zu locken, aber nicht wirklich aufdringlich. Generell sind die Leute aufmerksamer, man wird beachtet, aber nicht angestarrt oder angefasst. Auch wenn die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, sieht man bisher nur wenige Touristen. Man sollte sich nicht zu freizügig Kleiden, sondern eher schulterbedeckte Oberteile und knielange Kleidung wählen, wie z.B. luftige Leinenhosen. Vereinzelt sieht man aber auch indische Frauen in Tops oder Kleidern. Und obwohl öffentliche Zärtlichkeiten nicht gerne gesehen werden, sieht man doch schon einige Pärchen Hand in Hand laufen.
Tipps für Frauen, die alleine unterwegs sind:
-Pfefferspray: ich habe es nicht gebraucht, mich damit aber deutlich sicherer gefühlt, da dort auch viele herrenlose Hunde rumlaufen
-Tasche nah am Körper tragen, ich kann diese Moonbag von Amazon nur empfehlen https://amzn.eu/d/8z0glOC
-Mobiles-Datenpaket für Indien kaufen, kann man vor Ort und online buchen, somit kann man jeden Weg mit Google Maps verfolgen
-mit Uber fortbewegen, somit ist die Bezahlung vorab schon erledigt
-mit Auto-Rikschas fahren, die sind günstig und man könnte jederzeit aussteigen, falls etwas nicht passt
-wie in jeder großen Stadt, dunkle Ecken meiden, Nachts nicht alleine rausgehen
-bevor man das Hotel verlässt planen, wo man hin will und wie man dort hinkommt, damit man draußen auf der Straße nicht verloren rumsteht
-ansonsten freundlich lächeln und selbstbewusst seines Weges gehen
-wer nicht alleine unterwegs sein möchte, besonders in der Gegend KR-Market und Tippu-Palace, kann sich einer Reisegruppe anschließen oder geführte Touren buchen, z.B. unter: https://www.getyourguide.de/bangalore-l313/
Toiletten:
Kein schönes Thema, aber doch immer wieder interessant.
Ich habe tatsächlich nur westliche Toiletten gesehen. Ob am Flughafen, im Hotel, Restaurant oder beim Bangalore Palace, alle wie bei uns. Außer, dass neben der Spülung noch ein Schlauch hängt, womit man sich den Hintern abbrausen könnte. Toilettenpapier ist meistens vorhanden, allerdings einlagig. Deshalb mein Tipp: am besten eine Rolle Klopapier und Taschentücher von Zuhause mitnehmen.
Auch Handseife findet man überall und auch die Inder achten aufs Händewaschen.
Dann gibt es noch wenige öffentliche ‚pay and wash‘ Toiletten, die ich allerdings nie besucht habe, deshalb kann ich nichts dazu sagen.

Shoppen
Einkaufen kann man hier auf verschiedensten Arten. Es gibt die klassischen indischen Märkte und Shopping Streets, die einfachen Shopping Malls und die richtig luxuriösen Shopping Malls, wie zum Beispiel das ‚Phönix Shopping Center / Mall of Asia‘. Das Gebäude ist riesig und richtig schick, mit Palmen davor und sogar mit Springbrunnen und kleiner Licht-Show bei Nacht! Im Inneren des Gebäudes kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus! Kunstvolle, riesige Lampen hängen von der Decke, eine ganze Etage mit unterschiedlichen Bars und Restaurants. Weitere Etagen mit vielen internationalen Geschäften wie H&M, Mango, Bath and Body Works, etc. Hier kann man sich viele, viele Stunden aufhalten. In der obersten Etage gibt es neben einem Spielzeuggeschäft ( in dem man auch Kindergeburtstage feiern kann) noch 2 Arkaden für Kinder und Teens, sowie ein Cineplex. Das Angebot ist überwältigend! Die Preise allerdings auch. Die sind nämlich wie bei uns in Deutschland. Deshalb sind die Läden auch nur mäßig besucht. Aber ein Erlebnis ist es alle Mal!

Gefahren
Hier fällt mir in erster Linie der Straßenverkehr ein. Man muss sehr gut schauen beim Straße überqueren, aber es passieren dennoch Unfälle und bis der Krankenwagen durch den Verkehrsstau gekommen ist, benötigt man ihn evtl. nicht mehr.
Wer sich beim Essen an diese Regel hält, sollte keine Probleme bekommen:‚cook it, peel it or forget it‘.
Das Wasser aus den Leitungen nicht trinken. Besser mit Wasserflasche aus dem Supermarkt die Zähne putzen und beim Duschen darauf achten, dass kein Wasser in Mund und Nase kommt, um Magen-Darm Problemen vorzubeugen.
In der Grünanlage ‚Lal Bagh‘ gibt es viele herrenlose Hunde. Diese besser nicht streicheln oder darauf zugehen. Auch Schlangen können sich in den Büschen und Grünanlagen befinden.

Armut
Trotz der großen IT-Firmen, die sich hier angesiedelt haben, ist die Armut deutlich sichtbar, bzw. die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. In manchen Gegenden sieht man heruntergekommene Baracken und mitten drin trotzt ein riesen Glasfassaden-Hochhaus. Auf diesen Kontrast trifft man häufiger, wenn man in der Stadt unterwegs ist. Entweder schafft man den Absprung und ist einer von den Reichen oder bleibt bei den Armen, im Dreck und Müll. Die größten Probleme in Bengaluru sind die Urbanisierung, die Hygienischen Bedingungen und die schwache öffentliche Infrastruktur. Hier muss noch sehr viel von der Regierung verbessert werden.


Bangalore Palace
Hier erfährt man alles über den Lebensstil der damaligen Royal Family of Mysore. Der Eintritt (für Nicht-Inder) beträgt 500 Rupien und gegen Pfand bekommt man einen kostenlosen Audioguide (in seiner jeweiligen Sprache) dazu. Das ist sehr hilfreich, um die Geschichte der Artefakte, Gemälde, Haushaltsgegenstände und Skulpturen zu verstehen. Auch alte Bilder, Stühle und wunderschön gestaltete Schränke sind hier zu sehen. Viele Räume sind jedoch nicht öffentlich und verschlossen. Aufgrund der Treppen und unebenen Bereiche ist der Palast nicht für Kinderwägen oder Rollstühle geeignet. Toiletten befinden sich am Eingang, aber Café oder Sitzgelegenheiten gibt es nicht. In den Innenräumen ist es strengstens untersagt, Fotos zu machen.
Für die Audioguide- Tour benötigt man ca. 45 Minuten, anschließend kann man sich dann noch das Außengelände mit dem Garten anschauen. Dieser ist überschaubar, aber gut gepflegt.

Vidhana Soudha
Das ist der Name für das „Parlament“ von Bengaluru. Hier ist der Sitz der Gesetzgebung des indischen Bundesstaates Karnataka. Es ist ein imposantes Gebäude und ein bedeutendes Wahrzeichen der Stadt. Reingehen kann man als Besucher jeden Sonntag und an jedem zweiten und vierten Samstag eines Monats (gegen Gebühr). Aber es auch nur von außen zu sehen, ist schon sehr beeindruckend.

Church Street
Die Church Street ist eine 750 Meter lange Strasse von der Brigade Road zur St. Mark’s Road, mit vielen Geschäften, Restaurants und Bars. Es gibt sogar vereinzelt kleine Brauereien, die hier ihr Bier anbieten. In dieser Straße befindet sich auch die M.G.-Metro Station. Es gibt einige Bücherläden und am Ende der Straße, gibt es sogar ein Hard Rock Café.


MG Road
Die Mahatma Gandhi Road (MG Road), die nach dem indischen Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi benannt ist, zählt zu den verkehrsreichsten Straßen in Bengaluru. Die Straße ist ständig voll mit Autos, Rikschas und Rollern, die alle laut vor sich hin hupen. In der Mitte der Straße fährt die Metro auf dem erhöhten Korridor. Eine Straßenseite ist gesäumt von Firmensitzen, Banken und teilweise auch internationalen Geschäften. Hier kann man gut zu Fuß entlanglaufen.

Fazit:
Würde ich nochmal nach Bengaluru reisen?
Ich glaube nicht. Es war total interessant und aufregend, diese andere Welt mal kennenlernen zu dürfen. Auch das Essen vermisse ich etwas. Aber man sieht nach so einer Reise auch wieder die Schönheiten im eigenen Land, die man ja leider viel zu schnell für selbstverständlich hält.
Für mehr Bilder von Bengaluru einfach mal bei Instagram vorbeischauen: https://www.instagram.com/travelfeetfamily/